Geschichte zieht an. Vor allem, wenn es die gemeinsame Geschichte ist – in einer Ortschaft, in der Zusammenhalt noch selbstverständlich ist. Hier, in der Gegend des Gölsentales, mussten so manche im früheren Gasthaus, jetzt Pizzeria, mit Stehplätzen vorlieb nehmen, um den Beiträgen zu folgen. Bürgermeister Hannes Gaupmann dankte allen, die bereits mit Material und Wissen zu dieser Topothek beigetragen haben als auch den aktiven, die diesen Fundus in die Topothek eingepflegt haben. Alexander Schatek erklärte kurz Herkunft und Funktion der Topothek. Der wesentliche Teil des Abends war jener der Erinnerungen mit den Zeitreisen von Topothekarin Ingeborg Baldauf und Topothekar Franz Schneeflock, die ihren besonderen Dank an Stefanie Wochner richteten, die das bildliche Erbe ihres Mannes als Grundstock für diese Topothek zur Verfügung stellte.
Auch über das regionale hinaus sind hier bemerkenswerte historische Details zu finden. „Lichtfeier“ hieß es, was eigentlich gar nicht religiös ist, aber dennoch mit Weihwasser und Segen gefeiert wurde. Denn „Licht“ war damals die Bezeichnung für das, was wir heute als Strom bezeichnen. 1961 gab es noch kaum Elektrogeräte für den täglichen Gebrauch, der elektrische Rasierapparat war ebenso erst am Erwachen wie der Kühlschrank, der den Eiskasten ablöste.
Bemerkenswert sind auch die Details in diesem Titelbild, das hier zur Gänze zu sehen ist: das linke Gebäude ist, wie das Originalbild zeigt, noch mit Stroh gedeckt und die Verzierung am First hat eine Sage im Hintergrund: angeblich hielten die brandschatzenden Banden zur Zeit der Türkenkriege das Ornament für einen Halbmond und verschonten die Häuser, die es als Zierde trugen. Vielleicht ist auch für manche Wien-Historiker interessant, dass sich hier ein Foto vom Straßenbahnerheim findet.
Ingeborg Baldauf bei der Auffrischung der Erinnerungen © Alexander Schatek